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Junge Schönaicher Bundesligareserve zeigt ihre große Klasse und Zukunft

Veröffentlicht von Moritz Reck am Oct 15 2017 um 9:09 PM

Nachdem das Remis zum Saisonauftakt ja eher als Ausrutscher bezeichnet werden musste, zeigte sich das Team heute von seiner besten Seite und hatte den Ligafavoriten Spraitbach, obwohl diese sämtliche im Kader befindlichen Großmeister aufgeboten hatten, am Rande einer Niederlage. Mit dem 4:4 Unentschieden bleibt das Team weiterhin seit über 3 Jahren ungeschlagen, schon alleine das ist nach dem Aufgebot des Gegners ein absolutes Ausrufezeichen.

An Brett 1 ließen die Spraitbacher ihre extra kurzfristig nachgemeldete Strohfrau kampflos verlieren. Ohnehin schon eine sportlich und unter Fairplay Gesichtspunkten, die der SVW diese Saison ja extra nochmal allen Vereinen auf die Fahnen geschrieben hat, sehr fragliche Vorgehensweise. Mit 3 GMs im Kader dann eigentlich völlig abartig, denn vor welchen Supergroßmeistern muss man diese denn schützen? Es zeigt sich, dass den hinteren Brettern von Spraitbach überhaupt gar nichts zugetraut wird und man daher deren mögliche Punkte lieber gleich herschenkt. Blöd natürlich, wenn man eines dieser hinteren Bretter ist… Eine ebenfalls kurzfristige Strohmann Nachmeldung (mit erscheinen) und bestrafen der Spraitbacher Taktik wurde kurz angedacht, dann jedoch im Hinblick auf die Außenwirkung verworfen, um keinen Schatten auf die hervorragenden Leistungen der letzten Jahre zu werfen. Schade, dass dieses vorbildliche Verhalten am Ende nur teilweise belohnt wurde, wobei ja natürlich auch so mehr drin war.  

Anscheinend verbreitet GM Dimitrij Bunzmann, obwohl er familienbedingt nicht mehr sehr häufig am Brett sitzt, noch so viel Angst und Schrecken, dass die Spraitbacher Teamleitung ihren GMs ein Duell wohl nicht zutraute, so brachte er die TSV Schönaich II nach 30 Minuten kampflos in Führung. Ihm war der freie Nachmittag sicherlich nicht unrecht. Die Order vom Captain auf Schönaicher Seite hieß, an den Brettern 5-8 möglichst auf Sieg spielen, um damit den Druck auf die 3 vorderen Bretter zu vermindern, damit diese gegen die Moskauer GM-Crew frei aufspielen konnten. Und das machten sie dann auch. Teamcaptain Moritz Reck bekam nach einigen Zügen ein Remis Angebot, um seiner Vorbildfunktion gerecht zu werden lehnte er umgehend ab, obwohl die Eröffnung nicht unbedingt nach Plan gelaufen war. Die einzige spielbare Variante wäre ein Generalabtausch mit remislichem Endspiel gewesen, die gespielte Alternative hatte ein Loch, wonach er zunächst noch mit 3 Bauern für die Figur dastand, alsbald aber einen zurückgeben musste und fortan nur noch ums Remis kämpfte. Sehr erfreulich dagegen die Partieanlage von IM Christoph Menezes. Unser junger Wiener, der am Freitag noch den Vereinsabend mit einem launigen Training bereichert hatte, hatte die unangenehme Aufgabe sich wegen der Strohfrau auf alle 3 GMs vorbereiten zu müssen, was er den kompletten Samstag auch fleißig gemacht hatte. Er kam mit schwarz gut aus der Eröffnung, hatte an der entscheidenden Stelle den Mut vorübergehend einen Bauern ins Geschäft zu stecken und als er ihn wiederhatte, war das Remis unterschriftsreif. Mit schwarz unter diesen Voraussetzungen eine wirkliche Klasseleistung, er hat mal wieder gezeigt, dass mit ihm in Zukunft zu rechnen ist. Dann erhöhte Jungstar Tobias Kölle die Führung auf 2,5:0,5, mit weiß riss er von Beginn an das Zepter an sich, baute seinen Druck kontinuierlich aus und hatte auch immer großen Vorteil auf der Uhr. Am Ende beging er noch eine kleine Ungenauigkeit, doch an seinem Sieg bestanden zu keinem Zeitpunkt Zweifel. Er ist definitiv ein weiteres Versprechen in eine große Zukunft des Teams. Sebastian Fischer musste sich als einziger einem GM geschlagen geben, die Verteidigung des schwachen e-Bauern kostete am Ende noch einen weiteren und das ungleichfarbige Läuferendspiel mit 2 Bauern mehr spielte der GM wie ein Uhrwerk runter. Das machte allerdings gar nichts, denn Florian Schnadt hatte mit schwarz ebenfalls früh die Initiative an sich gerissen und gewann mit einer schönen Kombination einen Bauern. Der Rückgewinn kostete den Gegner viel Mühe und Bedenkzeit und nachdem es ihm schließlich gelungen war, stellte er die Qualität und die Partie ein. Damit bereits 3,5:1,5 Führung für Schönaich und die nächste junge Hoffnung FM Jens Hirneise spielte mit weiß gegen den GM groß auf und hatte sogar einen Gewinn drin. Leider sah er die spektakuläre Opferkombi nicht, die ein absolut würdiger Schlusspunkt zum Sieg gewesen wäre, aber auch so ist sein souveränes Remis mit Mehrqualität eine sehr starke Leistung. Zwischenstand 4:2 also, ein Punkt bereits gesichert und nun war es an Moritz Reck und Christoph Steinhart hinten ihre Partien zu halten. Christoph Steinhart versuchte seine Partie natürlich auch zu Beginn auf Sieg anzulegen, doch so richtig nahe kam er diesem nie. Als es dann mit dem guten Zwischenstand darum ging, die Partie in sichere Remisbreiten zu überführen, gelang dies auch nicht recht und am Ende killte ihn ein Läufer auf der langen Diagonalen. Lief noch die Partie von Moritz Reck, der inzwischen wieder 3 Mehrbauern hatte, dafür jedoch noch eine Qualität geben musste, also mit 3 Bauern für einen Turm dastand. Logischerweise war die Partie oft vorteilhaft für sein Gegenüber, doch so richtig einen Plan konnte dieser nicht entwickeln und als 2 verbundene Freibauern bereits auf der 5. Reihe waren, war die Partie tatsächlich wieder komplett im Ausgleicht. Leider ging der Kapitän in Zeitnot an 2 Stellen an guten Möglichkeiten vorbei, die wohl mindestens ein sicheres Remis gebracht hätten und verlor am Ende zum 4:4 Endstand. Erneut also irgendwie die tragische Figur, doch diesmal fühlte sich die ganze Geschichte auf Grund der beachtlichen Teamleistung doch deutlich besser an, als letztes Mal. Mit dieser Leistung kann die Mannschaft in dieser Liga niemand erschrecken und auch für höhere Aufgaben hat sich das Team damit eindrucksvoll beworben. Man darf gespannt sein wie es beim nächsten Heimspiel am 5.11. gegen Lauffen (die Spraitbach, allerdings in deutlich schwächerer Aufstellung, am ersten Spieltag schlagen konnten) weitergeht. Mit den 2 Unentschieden steht das Team überraschenderweise auf Platz 2, kein Team konnte bisher mehr als 2 Punkte holen, wobei ein Nachholspiel noch aussteht. Die Saison verspricht also sehr spannend zu werden, Favorit Spraitbach steht bisher bei einem Punkt und muss das Feld erstmal von hinten aufrollen.

Zuletzt geändert am: Oct 15 2017 um 8:10 PM


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