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Deutscher Nationalspieler in Schönaich

Veröffentlicht von Moritz Reck am Jun 08 2019 um 1:06 AM

Im Viertelfinale des Verbandspokals stand für die Denksportler des TSV Schönaich eine wahnsinnig hohe Hürde auf dem Programm, der Bundesliga Vierte und Pokalsieger von 2016 aus Deizisau gab seine Visitenkarte ab und machte aus seinen Ambitionen, wieder um den Deutschen Pokalsieg mitzuspielen, bereits im Vorfeld keinen Hehl. Da beim TSV im Pokal in der Regel nur Spieler aus der zweiten Mannschaft zum Zug kommen, um Nachwuchskräften Spielpraxis zu geben, war die Favoritenrolle klar verteilt.

Umso mehr staunte man am Spielabend, als im Vereinsheim mit Nationalspieler Georg Meier die Deutsche Nummer 2 zur Türe hereinkam. Die Aufstellung der Gäste ließ sich wahrlich sehen, neben Meier war mit Dimitrij Kollars aus dem deutschen B-Kader noch ein weiterer Großmeister im Team, dazu noch die beiden internationalen Meister Frank Zeller und Valerij Bronznik. Offensichtlich nahm man bei Deizisau den Schönaicher Nachwuchs sehr ernst, gegen die Formation des TSV mit den beiden Jungtalenten Tobias Kölle und Jan Brunner, sowie Moritz Reck und Marcus Kübler sagte die Erwartung nach Wertungszahlen zu Spielbeginn um 19.30 Uhr ein klares 4:0 für Deizisau voraus. Auch wenn die Partie Kollars – Kölle wegen der Teilnahme von Tobias bei der Deutschen Schulschachmeisterschaft (bei der er mit seiner Schule, dem Schiller Gymnasium Marbach, am Spitzenbrett souverän den Deutschen Meistertitel holte) verschoben werden musste, standen die Zeichen auf frühzeitiger Entscheidung, doch nach 5 Stunden Spielzeit ist die Lage mit Ende der dritten Partie um 0.30 Uhr immer noch offen. Moritz Reck musste sich mit Nationalspieler Meier messen und verpasste im Mittelspiel eine gute Gelegenheit, je einen Springer und Läufer abzutauschen mit folgender Schließung der Stellung, wonach es für den Großmeister zumindest erstmal kompliziert geworden wäre, weitere Angriffspotentiale zu entwickeln. Im folgenden offenen Kampf auf dem Brett hatte er dann gegen den übermächtigen Gegner keine Chance. Doch auch von dem Rückstand ließ sich das Team nicht beirren, Marcus Kübler ließ sich seine Königsstellung aufreißen, um im Gegenzug starkes Spiel gegen einen vereinzelten Zentrumsbauern des Gegners zu bekommen. Tatsächlich hatte er die Konsequenzen richtig eingeschätzt, sein Monarch geriet zu keiner Zeit ernsthaft in Gefahr, doch zur Eroberung des Bauern reichte es auch nicht aus, sodass man sich auf ein Remis einigte. Jan Brunner musste sich gegen IM Zeller auch zunächst verteidigen, doch dann riskierte der Gegner zu viel, verlor einen Bauern und fand sich danach in der Defensive wieder. Hier war also der Ausgleich für Schönaich durchaus im Bereich des Möglichen, doch am Ende konnte der Gegner doch eine Zugwiederholung erzwingen und sich noch in ein Unentschieden retten.

Zwischenstand vor der Nachholpartie ist also 1:2 aus Schönaicher Sicht, doch mit einem Sieg könnte Tobias Kölle tatsächlich noch für die Sensation sorgen, denn beim Stand von 2:2 wäre Schönaich auf Grund der Berliner Wertung der Sieger und würde ins Halbfinale einziehen. Es bleibt also spannend und demnächst steht dann wieder großmeisterlicher Besuch beim Schönaicher Vereinsabend an, wenn die entscheidende Partie nachgeholt wird. Doch zunächst steht für Tobias noch die Deutsche U16 Meisterschaft in Willingen über Pfingsten auf dem Programm. Bei diesem Thema zeigt man sich beim TSV sehr verärgert darüber, dass mit Marc Werner nach Moritz Reck bereits der zweite Jugendtrainer des Vereins ohne echte Begründung nicht mehr als Landestrainer nominiert wurde, obwohl der Schönaicher Nachwuchs zu den aussichtsreichsten Kräften im Landeskader gehört und ihre beiden Trainer an den größten Erfolgen der letzten Jahre direkt beteiligt waren. Den Verdacht, dass die Schönaicher Erfolge in letzter Zeit beim einen oder anderen Funktionär Neid und Missgunst verursachen, konnte der Verband auf Nachfrage leider nicht entkräften. Um die ideale Betreuung der eigenen Spieler bei diesem wichtigen Turnier sicher zu stellen, hat der TSV die angebotenen externen Trainer des Verbands abgelehnt und schickt Marc nun auf eigene Kosten zu dem Turnier. Eine Annäherung bei diesem Thema steht also im Moment in weiter Ferne. Positive Nachrichten gibt es dagegen vom Bundesligateam. Obwohl er auch einige Angebote aus der ersten Bundesliga hatte, schließt sich mit IM Jaroslaw Krassowizkij ein weiterer junger aufstrebender Spieler aus der Region dem TSV an. Am Spitzenbrett war er mit einer ausgeglichenen Bilanz einer der wenigen Lichtblicke im Team bei Absteiger Jedesheim, in Schönaich möchte er nun weiter an seinem Ziel arbeiten, in Zukunft den Großmeistertitel zu erringen. Nach dem bereits seit langem als Neuzugänge feststehenden Brüderpaar Ratkovic aus Belgrad und Ergänzungsspieler Lukas Buschle der aus Viernheim zum TSV wechselt, ist die Kaderplanung für die Zweitligasaison 2019/20 damit abgeschlossen. Das Ziel, nach drei sechsten Plätzen wieder in die obere Tabellenhälfte vorzustoßen, sollte damit durchaus im Bereich des Möglichen sein.

Zuletzt geändert am: Jun 08 2019 um 12:07 AM


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